Der „Dialog mit Bürgern“

Ein informativer Abend

Von Michael Suhr

Rund 60 Interessierte fanden sich am vergangenen Dienstag (27.06.17) um 18:00 Uhr in der Räucherkate ein, um an einem Abend unter der Überschrift „Dialog mit Bürgern“ teilzunehmen, zu dem der Bürgerverein Walddörfer eingeladen hatte.

Manfred Heinz, der Vorsitzenden des Vereins, begrüßte die Gäste und sprach dabei auch schon gleich einige der Themen an, die viele Volksdorfer zurzeit bewegen: Verdichtung durch engere Bebauung, Fahrradverkehr im Ortskern, und natürlich das Thema, das im Moment hohe Wellen schlägt: Die Schließung des „Kundenzentrums“.

Dieses Thema beherrschte auch gleich die erste Diskussion. Über 8.000 Bürger haben sich derweil gegen die Schließung der gut erreichbaren Einrichtung direkt am Volksdorfer U-Bahnhof durch ihren Eintrag in Unterschriftenlisten ausgesprochen, was allerdings von Seiten der Politik, die schon ein Bürgerbegehren zu diesem Thema unterbunden hatte, mehr oder weniger komplett ignoriert wird. Thilo Kleibauer, CDU-Bürgerschaftsabgeordnete für den Wahlkreis Alstertal/Walddörfer), der als einziger der regionalen Volksvertreter der Einladung zu diesem Abend gefolgt war, erklärte den Anwesenden den Zusammenhang zwischen der Stadt (dem Bezirk) als Mieter der Räume und der Sprinkenhof AG (die der Stadt Hamburg gehört) als Vermieter („linke Tasche – rechte Tasche“). „Gemeinschaft kommt auch durch Unterschriftensammlungen zustande, machen Sie weiter, machen Sie Druck“, bestärkte Niels Hanßen, ehemals selbst aktiv als Regionalpolitiker tätig und Ansprechpartner des „Initiativen – Netzwerk Runder Tisch Walddörfer“. Woraufhin der Mitinitiator des nicht zugelassenen Bürgerbegehrens und der Unterschriftensammlung gegen die Schließung des „Kundenzentrums“, Manfred Heinz, seiner Zuversicht Ausdruck gab mit den Worten „Ich vertraue darauf, dass sich die Politik bewegt“.

Anschließend sprach Heinz, der den Abend moderierte und sich erneut durch seine umfangreichen Kenntnisse bezüglich dessen auszeichnete, was in Volksdorf geschieht, das Thema Wochenmarkt am Mittwoch an. Er hätte sich kurz zuvor noch mit Malte Jahn, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Volksdorfer Wochenmarkt unterhalten. „Der Markt am Sonnabend läuft gut“, so der derzeitige Stand, aber am Mittwoch würde es sich für viele der Markbeschicker nicht lohnen überhaupt die Stände aufzubauen. Insbesondere, da die Mieten, die die Händler an die Stadt zahlen müssen, die gleiche Höhe hätten, wie am Sonnabend. „Die Stadt erhöht die Gebühren, tut aber nichts zur Erhaltung und Aufwertung der Marktfläche, zum Beispiel für die Stromversorgung und die Beleuchtung“. Der ebenfalls anwesende Siegfried Stockhecke, der u.a. den weit über die Grenzen von Volksdorf hinaus bekannten VOLKSMART veranstaltet (nächster Termin: am Sonntag, dem 9. Juli, im Rahmen der ebenfalls durch Stockhecke veranstalteten „14. Volksdorfer Kulturtage zur Nachhaltigkeit“, die mit einem umfangreichen Programm und vielen Veranstaltungen die ganze nächste Woche stattfinden) fügte zum Thema Marktfläche an: „Die Malaise mit der Stromversorgung auf der Marktfläche besteht nun schon seit 20 Jahren. Man hat zurzeit fast das Gefühl, dass man feindlich behandelt wird, wenn man Forderungen an die Behörde stellt“.

Im Rahmen der wachsenden Einwohnerzahl in Volksdorf (derzeit sind es Schätzungen zufolge wohl rund 21.000), der damit verbundenen Bauverdichtung und dem Kampf um den Erhalt der Grünflachen kam die Frage auf „warum muss Hamburg überhaupt noch immer weiter wachsen“. Eine Frage, die sich offensichtlich viele der Anwesenden stellten, auf die aber keiner eine Antwort hatte.

Ein weiteres Thema war das kommende Stadtteilfest. Manfred Heinz, der diese Volksdorfer Großveranstaltung in den letzten Jahren organisiert und in den vergangenen zwei Jahren auch persönlich finanziell getragen hatte, teilte den Anwesenden mit, dass das Stadtteilfest, trotz der erheblich gestiegenen Auflagen seitens der Behörden, auch in diesem Jahr wieder stattfinden wird. Als „offizieller“ Veranstalter tritt der Bürgerverein Walddörfer auf, organisiert wird das 39. Volksdorfer Stadtteilfest jedoch von Dr. Jens Eickmeier und seinem Team. Im Unterschied zu den Festen der letzten Jahre wird es in diesem Jahr nur eine große Bühne geben. Wie schon im letzten Jahr gibt es auch keinen Partytruck. Sonst bleibt (fast) alles so wie gehabt mit Laternenumzug und großem Feuerwerk am Freitag, der Vereinsmeile am Sonnabendvormittag, dem Open-Air-Kino am Samstagabend und dem Fahrradrennen am Sonntag. Eröffnet wird die Veranstaltung am Freitagnachmittag voraussichtlich von Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch, der übrigens Anfang des Jahres im Museumsdorf vom Verein De Spieker, anlässlich des Waldherrenmahles, zum diesjährigen Waldherren ernannt wurde.

Angesprochen wurde auch die Thematik „verkaufsoffene Sonntage“. Diese dürfen nur noch durchgeführt werden, wenn gleichzeitig eine „wichtige kulturelle Veranstaltung“ stattfindet. Die Folge: In Volksdorf wird es (zumindest in diesem Jahr) keine Sonntagsöffnung der Geschäfte geben.

Es folgten Volksdorfer „Dauerbrenner“, die schon über Jahre, zum Teil über Jahrzehnte, für Diskussionsstoff sorgen: Die P+R-Häuser an den U-Bahnhöfen Volksdorf und Meiendorf werden seit der Gebührenpflicht nur noch von wenigen angenommen, dafür ist die Umgebung vollgeparkt; der Verkehr im Ortskern hat sehr stark zugenommen, u.a. auch durch diejenigen, die mehrfach um den Block fahren, um einen der begehrten Parkplätze zu ergattern, deren Anzahl durch die inzwischen vier so gut wie nie genutzten Plätze, an denen die Elektroautos aufgetankt werden können, noch verringert wurde. Ebenso durch die Abtrennung von ehemals der Öffentlichkeit zur Verfügung stehenden Parkplätzen mittels Schranken (zum Beispiel vor dem jetzigen Standort der Post/Postbank). Auch dass es nach rund 30-jährigen Bemühen immer noch nicht gelungen ist, eine öffentliche Toilette im Ortskern aufzustellen, wurde angesprochen.

Das Thema „öffentliche Toilette“ wird noch brisanter durch die Verlegung der Bücherhalle, die immerhin in den vergangenen Jahren eine solche zur Verfügung stellte, wenngleich das wohl nur wenigen bekannt war. Die Verlegung in „Unser Viertel“ (ehemals Eulenkrug-Passage) wird aber von vielen auch aus anderen Gründen skeptisch betrachtet. Schon der Umzug der Post brachte zum Teil erhebliche Umsatzeinbußen für die Geschäfte in der Weißen Rose. Dieses, so die Befürchtung, werde noch verstärkt, wenn nun auch noch die sehr gut frequentierte Bücherhalle diesen Standort verlässt. Auch wird bezweifelt, dass die Bücherhalle am neuen Standort, der sich zudem noch erheblich weiter entfernt vom U-Bahnhof Volksdorf befindet, weiterhin so gut angenommen wird. Eine Befürchtung, die auch Thilo Kleibauer teilt: „Eine vorherige Rückkopplung mit dem Stadtteil wäre vor der Entscheidung zur Verlegung sinnvoll gewesen“.

Weitere Themen des Abends vor dessen Ende gegen 20:00 Uhr waren die Schaffung von öffentlichem Raum für Jugendliche, Ehrenamtstätigkeit, die Perspektive des Bürgervereins Walddörfer und der Erhalt von St. Gabriel.