Abschied

Dank an Pastor Jasper Burmester

Nach 35 Jahren Kirchenarbeit wurde Pastor Jasper Burmester am Sonntag, den 28.Februar 2021, im Rahmen eines Gottesdienstes mit geladenen Gästen aus seinem Amt in der Volksdorfer Kirche am Rockenhof verabschiedet. Seit 1983 war Burmester im Dienste der evangelischen Kirche tätig. Nach Stationen in Hamburg über das Vikariat in Fuhlsbüttel ging es weiter nach Hamm, später in die Schweizer Hauptstadt Bern und nach seiner Rückkehr für fast 26 Jahre zurück an die Elbe nach Volksdorf. Auf die Frage, was sein kirchliche Wirken gebracht, wie groß der Ertrag seiner Arbeit, das Fazit war, antwortet Jasper Burmester:

„Ich weiß keine bessere Antwort als dieses Gleichnis Jesu: Es mag, wie bei der Aussaat, eben vieles daneben gegangen sein, anderes nur kurze Wirkung gehabt haben, wieder anderes nicht erreicht worden sein – aber, etwas ist doch gewachsen, ist geworden und hat bei den Menschen, denen ich begegnete, Früchte getragen. Manche Telefonate, Briefe und Mails lassen mich dies zumindest hoffen. Aber, mit dieser Frage bin ich ja nicht alleine. Was bewirkt das, was ich tue? Bewirkt es überhaupt etwas oder ist es fruchtloses Bemühen? Und, so wie mir geht es wahrscheinlich auch anderen mit ihrer Lebensarbeit auf den anderen Äckern. Der Lehrerin etwa, die versucht ihren Schülern Wichtiges und Nützliches zu vermitteln, dem Arzt, der seine Patienten über die Folgen des Lebenswandels aufklärt, Müttern und Vätern, die ihre Kinder auf einen guten Weg bringen wollen. Was letzten Endes daraus wird, ob es Frucht bringt oder ob unsere Bemühungen vorzeitig versanden oder erstickt werden von den Umständen oder abprallen von dem harten Boden, wir haben das ja nur teilweise in der Hand.

Wir können nur aussäen, wie der Bauer, der zur richtigen Zeit über sein Feld geht und nach bestem Wissen sein Werk tut. Und, ob was daraus wird, das entscheidet ja nicht allein unser Fleiß, unsere Planung oder sonst irgendetwas was in unserer Hand liegt, sondern auch die Umstände, des Ortes, der Zeit und oft genug auch das Entgegenkommen derer, die zugleich mit uns unterwegs sind auf den Äckern und Feldern des Lebens. Bis jetzt ist dieses Gleichnis vom vierfachen Acker „Weg, Fels, Dornen, fruchtbares Land“  ja im Grunde auf jeden Lebenszusammenhang passend und im Grunde enthält es keine frohe Botschaft, kein Evangelium. Es beschreibt ja nur wie es eben ist im Leben, das vieles daneben geht aber anderes gelingt. Und genau darin liegt auch ein großes Stück Verheißung. Gewiss, vieles erscheint im Rückblick als fruchtlose Mühe. Aber das, was dann Frucht bringt, ist geradezu überwältigend. Im Jesu Gleichnis zumindest „Einiges fiel auf gutes Land und es ging auf und trug hundertfach Frucht“. Das könnte doch bedeuten, du darfst verschwenden, verschwenderisch sein, denn das, was tatsächlich auf fruchtbaren Boden fällt, das wirkt dann in einer Weise, die alle Verluste, alle Mühe, alle Frustration und alle Enttäuschung aufwiegt. Nun sind wir ja alle nicht nur als Aussäende unterwegs, wir sind zugleich auch der hier vierfach beschriebene Ackerboden. So auch ich. Mal Gestrüpp, mal Wüste, mal platt und zertreten, mal empfänglich und fruchtbar. Das ist in jeder Lebensphase anders. Wie sollte es auch sonst sein. Es ist nicht immer gleich und es ist nicht dazu verdammt immer gleich zu bleiben. Veränderung gehört dazu, wachsen und scheitern, Gleichgültigkeit und Empfangsbereitschaft. Glücklicherweise haben mich immer wieder Worte und Botschaften erreicht, die mich gestärkt haben, die etwas haben wachsen lassen, die zu Erkenntnissen führten oder Glauben weckten. Was waren das für Samenkörner die mich getroffen und beeinflusst haben? Es waren Menschen, es waren biblische Botschaften und theologische Gedanken. Es waren viele, sehr viele, für die ich dankbar bin. Darum kann ich hier heute nur sehr, sehr wenige Beispiele erwähnen. Vielen Menschen verdanke ich viel. Hilfe, Ermutigung, Anstöße, auch Reibung und Auseinandersetzung. Da ist mein verstorbener Vater, der sich in seinem Berufsleben mehr als einmal hat neu erfinden müssen. Und der mir ein lebendiges Vorbild war, dass, mit Biermann gesprochen, nur der sich treu bleibt, der sich ändert. Immer dazulernen, das hat er mir gezeigt und das hat mir bis in dieses Coronajahr geholfen, wo es so vieles Neues noch zu entdecken und zu lernen gab.  Da sind die Weggenossen aus dem Studium, aus dem Vikariat, Kolleginnen und Kollegen an verschiedenen Stationen meines Weges. Da sind die jungen Menschen, die als Teamerinnen und Teamer im Konficamp eine tolle Gemeinschaft waren. Da sind die wunderbaren Musikerinnen und Musiker, mit denen ich hier arbeiten durfte. Und da sind natürlich viele kreative Köpfe, hier in unserer Volksdorfer Gemeinde, ohne die ich, als relativ uninspierierter Bastler niemals 24 Jahre Kinderkirche und fast ebenso viele Kinderbibelwochen hinbekommen hätte. Immer wieder hat es mich gereizt, diese alten Texte der Bibel zu befragen, was sie mir und anderen heute, im Hier und Jetzt, zu sagen haben. Diese Übertragungsarbeit war mir beim Predigen das wichtigste Anliegen. Mir selbst sind einige wenige Texte in mein persönliches Schatzkästlein geraten oder hineingelegt worden – aber die begleiten und tragen mich bis heute. Mein Tauf- und Konfirmationsspruch gehört dazu. “Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig seiest“. Oder auch der 139. Psalm, nachdem Gott mich von allen Seiten umgibt, das ist ein anderes, tragendes Wort. Schließlich theologische Einsichten. Die für meinen Glauben und auch meine Verkündigung zentrale Einsicht ist die Botschaft von der Menschwerdung Gottes. Mit ihr lässt sich sogar der Schrecken des Karfreitags aushalten. Wenn Gott so weit geht, dann sind wir wirklich nirgends und niemals von ihm verlassen auch wenn sich alles danach anfühlt. Und der Theologe, den ich wirklich gern einmal kennengelernt hätte und der trotzdem nicht ohne Einfluss auf mein Glaubensleben war, ist Dietrich Bornhöfer. Widerstand und Ergebung, die Briefsammlung aus der Haft, war eines der ersten theologischen Bücher, die ich gelesen habe, noch weit vor dem Studium. In seinem Glaubensbekenntnis heißt es: „Ich glaube, dass Gott aus allem auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen“. So ein Mensch, von Gott gebraucht, habe ich versucht zu sein. Ich danke allen, die mich bis heute begleitet haben“.

Lieber Jasper Burmester, ich danke Dir und wünsche Dir auf Deinem weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute. Du wirst uns fehlen.  Manfred R Heinz