Volksdorf – Es grünt so grün …

Grünpatenschaft in Volksdorf

Anke Tröster bei der Pflege des neu angelegten Beetes

Endlich blühen die ersten Sommerblumen! Nach über einem halben Jahr der Organisation, dem Jäten und Einpflanzen, Nachpflanzen, Wässern, Düngen und Mulchen öffnen sich jetzt die Blüten! Sie lassen die Grünfläche vor der Deutschen Bank und dem Backhus langsam nach etwas wie Garten aussehen.

Vormals: schmuddelige Ödfläche vor dem Backhus

Vorausgegangen war die Idee des „Bündnis Volksdorf“ (BüVo) und speziell Wulf Hilberts, die verwahrlosten Grünflächen im Volksdorfer Ortskern wieder in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen. So richtig los ging es aber erst, als Carsten Sempf vom Fachamt Management des öffentlichen Raumes/Abschnitt Stadtgrün Planung und Bau auf die Möglichkeit der finanziell geförderten „Grünpatenschaft“ hinwies: „Mithilfe von Grünpatenschaften soll die ökologische Gestaltung von Grünflächen gefördert und insbesondere neue und verbesserte Lebensräume für Tiere und Pflanzen im Bezirk geschaffen werden. Das Ziel ist eine dauerhafte und langfristige Anlage von mehr ökologischem Grün und eine Aufwertung von Grünflächen. Bürgerinnen und Bürger als Einzelpersonen, Vereine und Institutionen oder auch sonstige Gruppen bekommen nun die Möglichkeit, die Aufwertung und Pflege von Flächen in Parks, Grünverbindungen, Kleingartenanlagen oder auch an öffentlichen Plätzen, Orts- oder Stadtteilzentren zu übernehmen. Die Patenschaft soll in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Fachleuten im Bezirksamt Wandsbek erfolgen. Damit die Paten und das Bezirksamt verlässlich zusammenarbeiten können, sollen die Patenschaften mindestens für 3 Jahre geschlossen werden und sich auf Flächen mit einer Mindestgröße von 20 qm beziehen. Die finanzielle Förderung wird pauschal angelegt sein und im Anlage- und Fertigstellungsjahr erfolgen.

So heißt es auf der Webseite des Bezirksamtes Wandsbek. (https://www.hamburg.de/wandsbek/gruenpatenschaften/). Im Klartext: Bürger und Bürgerinnen kümmern sich und bekommen einen bestimmten Kostensatz für Pflanzen und Material erstattet.

Das klang so viel versprechend, dass der BüVo die Patenschaft für einige Grünflächen im Ortskern übernahm. In Absprache mit der Behörde entstand ein Pflanzplan, nach dem wir im Dezember 2019 viele bienenfreundliche Stauden einsetzten: Sonnenhut, Steppensalbei, Astern, Storchschnabel, Katzenminze und auch Gräser, insgesamt etwa 140 Exemplare – in die Fläche vor dem Backhus/ Deutsche Bank  (in der Straße Im Alten Dorfe) und in einen großen Kübel vor Douglas in der Claus-Ferck-Straße. Provisorisch mit rot-weißem Flatterband umzäunt, sind die Pflanzen im milden Winter gut eingewachsen.

Im März passierte jedoch dreierlei Ungemach: Erstens legte Corona das öffentliche und private Leben lahm. Zweitens war es viel zu trocken, so dass auch ein paar Gießkannen voll Wasser nicht die Vegetation in Gang setzen konnten.

Drittens kam ein Bautrupp, um Eichenspaltpfähle zu setzen, und richtete dabei schweren Schaden an – ein Großteil der Stauden wurde dabei vernichtet. Die Umrandung mit Eichenspaltpfählen hatten wir von der Behörde durchgeführt bekommen, um Passanten davon abzuhalten, über die frisch bepflanzten Flächen zu laufen. Außerdem wurden zwei Metallbügel, die noch im Erdreich steckten, entfernt.

Doch nach dieser Bauarbeit Ende März waren die meisten Pflanzen verschwunden, untergegraben! Und statt der guten Gartenerde war die Oberfläche von Sand und Schotter bedeckt. Auf Nachfragen bei der Behörde hieß es, dass die Mitarbeiter im Akkord solche Pfähle setzen und normalerweise kahle Flächen vorfinden, d.h. es nicht gewohnt sind, in bepflanztes Terrain Pfähle einzubauen. Außerdem wäre die gute Erde ja unter dem Schotter noch da und die Stauden würden wieder durchkommen. Also warteten wir erstmal ab …

Wulf Hilbert ist dankbar, dass ihm „Dat Backhus“ als Wasserzapfstelle geholfen hat.

In einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ wurden noch Querlatten zwischen die Eichenspaltpfähle gesetzt, nachdem Fußgänger nach wie vor durch das Beet stapften. Damit der Anblick der weitgehend kahlen Fläche nicht zu traurig war, wurden Anfang April ein paar vorgetriebene Frühlingszwiebelblumen, Mininarzissen und Traubenhyazinthen eingesetzt, damit wenigstens zu Ostern etwas Nettes blüht. Nachdem diese verblüht sind, kommen jetzt die Stauden kommen langsam hoch. Im Kübel vor Douglas blühten über viele Wochen lila und weiße Hornveilchen und verwoben sich mit den emporwachsenden Stauden. Nur ein einziges Exemplar wurde geklaut, frisch nach der Pflanzung.

Der Boden auf der Fläche vor dem Backhus ist durch die Baumaßnahme zwar weiter verdichtet worden und es ist nach wie vor recht trocken. Daher haben wir die Pflanzen mit vielen vollen Gießkannen aus dem Backhus „über Wasser“ gehalten. Die Filialleiterin im Backhus unterstützt unsere Idee und gewährt uns frühmorgens den Zugang zum Wasserhahn. Zusätzlich haben wir den Boden mit Gartenerde verbessert, gedüngt und mit Rindenmulch zum Schutz vor weiterer Austrocknung abgedeckt. Und endlich regnet es auch wieder! Ein bisschen Geduld müssen wir noch haben, denn ein Blumenbeet mit Stauden braucht etwa zwei Jahre, bis alles gut eingewachsen ist.

Ein Sorgenkind bleibt der Grünstreifen nahe der U-Bahn: Durch das Abstellen von Fahrrädern werden Blumen niedergetreten und es liegt viel Müll herum. Optiker Bernstiel hat in den vergangenen Jahren Frühlingsblumen eingesetzt, doch im Laufe des Sommers verwilderte das Areal immer wieder.

Wie es weitergeht? In Einzelschritten, denn noch sind einige Kübel und Flächen nicht bearbeitet. Stück für Stück soll der Volksdorfer Ortskern schöner und wertiger werden: Attraktiv und naturnah bepflanzte Beete sind nicht nur ein Gewinn für den Naturschutz, sondern erfreuen auch die Spaziergänger im Ort!

WER MACHT MIT ? Unterstützer gesucht

Dazu braucht es noch Unterstützung: Wer hat Lust und Zeit, zum Beispiel beim Jäten und Pflegen der Beete zu helfen, wer (am besten direkte Anwohner) kann in trockenen Zeiten wässern? Wer bei unserer Grünpatenschaft mitmachen oder mehr Informationen erhalten möchte, wende sich bitte per E-Mail an: Rosenbolle@gmx.de, Stichwort „Grünpatenschaft“.