Volksdorf: Wir trauern um Helmer-Christoph Lehmann

 

Ein bestürzender Abschied im Advent!

„Bleib bei uns!“ Diese Backkantate (BWV 6) sang die Rockenhof-Kantorei Ostern 2000, als Helmer-Christoph Lehmann sich als Propst in den vorgeblichen Ruhestand verabschiedete. Und er ist geblieben – nicht als Herr im Ruhestand, sondern als Diener seines Herrn: Noch über 22 Jahre ist er der Gemeinde und dem Stadtteil treu geblieben, nicht als Propst, aber als gepriesener Prediger, als Referent theologischer Gesprächskreise, als Mitbegründer und langjähriger Vorstand des hiesigen Kulturkreises, als der Initiator des erfolgreichen Bürgerbegehrens zum Erhalt der Ohlendorffschen Villa und auch – seit ihrer Gründung – als der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, unter deren Obhut diese Kultur- und Begegnungsstätte betrieben wird. Vor allem aber blieb er unser Mitmensch mit einem allzeit offenen Ohr für die Nöte und Probleme im Alltag unseres Gemeinwesens.

Am 5. Dezember ist Helmer-Christoph Lehmann nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von seinem Tod „im Dorf“. Zwei Tage später, an dem Tag, an dem ich an diesen Zeilen sitze, steht auf der Website der Kirchengemeinde noch die Ankündigung seiner Predigt für den Amnesty-Gottesdienst am Vierten Advent, ein Gottesdienst für die politischen Gefangenen, der ihm seit Jahrzehnten ein Herzensanliegen war, weil sein Blick immer auch weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus ging.

Vor bald 60 Jahren, 1964 nämlich, trat er sein Amt als Pastor in Volksdorf an. Ganze Generationen von Täuflingen, Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie der von ihm getrauten Ehepaare dürften dankbar auf die Begegnungen und Gespräche mit ihm zurückblicken. Und von manchen der Hinterbliebenen der von ihm in den Tod begleiteten Frauen und Männer weiß ich, dass er kräftigenden Trost vermitteln konnte.

Bei einem Abschied wie diesem spüren wir vielleicht deutlicher als sonst, dass im Grunde jeder Mensch unersetzlich ist. Dennoch müssen wir im Gedenken an besonders begnadete Mitmenschen wie Propst em. Lehmann versuchen, uns von ihrer streitbaren Kraft und ihrer liebevollen Güte inspirieren zu lassen, um unsere Zukunft auch in ihrem Sinne gestalten zu können.  (Wulf Denecke)