“Hotel Dellbrück”
Ein Interview mit dem Autor
Herr Göring, Sie stellen am Sonntag, dem 29. März, um 19 Uhr in St. Gabriel Ihren Roman „Hotel Dellbrück“ vor. Er ist nicht Ihr jüngstes Werk, aber wohl eins, das Ihnen besonders wichtig ist. Warum?
Es geht mir in Hotel Dellbrück um einige wichtige Fragen: Was bedeutet Heimat für uns? Wie sehr prägt uns die Vergangenheit? Woher kommt diese Sehnsucht nach Bindung, auch das Suchen nach einer geistigen spirituellen Verbundenheit? Was gibt uns Sicherheit?
Worum geht es ganz konkret?
Der Roman handelt von Sigmund Rosenbaum und seinem Sohn Frido. Er umfasst die Jahre von 1938 bis 2018. Sigmund, ein jüdisches Waisenkind überlebt den Holocaust, weil sein katholischer Ziehvater, der Hotelier Dellbrück, im Dezember 1938 für ihn einen Platz bei den englischen Kindertransporten ergattern kann. Mit diesen Kindertransporten haben englische Familien übrigens insgesamt 10 000 jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich nach England geholt und so vor den Nazis gerettet. Sigmund wird in Cornwall erwachsen, studiert in Wales, kehrt aber 1949 in das zerstörte Deutschland zurück. Er heiratet das Mädchen, mit dem er im Hotel aufgewachsen ist, und wird Lehrer an der Schule, an der er zuvor als „Judenlümmel“ schikaniert wurde. Aber Antisemitismus ist nach Kriegsende keineswegs tot.
Ihre Bücher beschäftigen sich gern mit Geschichte. Warum?
Es gibt diesen schönen Satz von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, dem damaligen Chefankläger in den Auschwitz Prozessen: „Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“ Dieser Satz begleitet mich. Er ist gerade heute wieder so ungemein aktuell, schauen wir nur in die Ukraine oder auf den wieder erstarkten Antisemitismus. Es geht mir immer wieder darum, wie wir uns ganz persönlich verhalten, was uns das historische Erbe bedeutet und wie wir damit unsere Gegenwart und Zukunft gestalten.
Ist „Hotel Dellbrück“ ein sehr ernster Roman?
Sicher nicht. 1956 kommt Sigmunds Sohn Frido zur Welt. Auch er ist wie sein Vater ein Suchender, macht jedoch viele verrückte Sachen. Ihn führt der Weg nach Indien, dort trifft er auf Cleo, in Australien wird ihr Sohn Manu geboren und mit ihm … nein, jetzt verrate ich nicht mehr, es gibt ja am 29. März die Lesung und der Roman ist überall erhältlich.
St. Gabriel, Sonntag 29. März, 19 Uhr in St. Gabriel (Sorenremen 16) Lesung mit Musik (am Klavier Dr. Christoph Semisch).
