Volksdorf: Stille Örtchen gesucht

Wir haben ein Toiletten-Problem

Von Manfred R Heinz

Ingeborg Ralf ist ratlos. „Wenn ich im Dorf einkaufe und dringend zur Toilette muss, dann weiß ich nicht, wohin ich mich wenden soll. Wieso gibt es im Zentrum keine öffentliche Anlage?“ Mit ihrer Kritik steht die Seniorin keineswegs allein. Seit Jahren ist es ein wichtiges Thema, auf das auch Ärzte hinweisen. Offiziell gibt es eine öffentliche Toilette im Durchgangsbereich der U-Bahnhöfe in Volksdorf und am Buchenkamp. Nichtöffentlich gibt es nutzbare Sanitäreinrichtungen im Tiefgeschoss der Ohlendorff´schen Villa und – für Kunden – in einer nahegelegenen Bäckerei. Das WC im „Bürgerhaus“ KORALLE ist nur eingeschränkt nutzbar und selbst zu Marktzeiten geschlossen.

Die modernen Anlagen erfüllen hohe hygienische Standards, sind aber entsprechend teuer. Sie können bis zu 240.000 Euro kosten. Die barrierefreien, genderneutralen SRH-Automatiktoiletten haben nicht nur einen hohen Reinigungskomfort durch eine automatische Sitzbrillenreinigung nach jeder Benutzung, sie bieten auch zusätzlichen Service wie einen Trinkbrunnen, eine E-Bike-Ladestation und eine Reifenfüllstation im Außenbereich.

Seit vielen Jahren wurde auch eine Lösung für den stark frequentierten Spielplatz an der Schemmannstraße gefordert, von Lokalpolitikern unterstützt und die Einrichtung letztlich beschlossen. Anfang 2021, hieß es, dass nun „ein lang gehegter Wunsch zahlreicher Besucher des Spielplatzes an der Schemmannstraße in Volksdorf in Erfüllung gehe“. Die Bezirksversammlung Wandsbek habe entschieden, dort endlich eine vernünftige öffentliche Toilette zu errichten. Heute, nach 13 Monaten, heißt es in einer Presseerklärung der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA): „Auf dem Spielplatz Schemmannstraße (Berner Au), in der Parkanlage Planten un Blomen sowie im Umfeld des Domplatzes sind zusätzliche öffentliche Toilettenanlagen als (für die FHH betriebskostenfreie) Kiosk-WC-Anlagen mit barrierefreier Automatiktoilette in Kombination mit einer niedrigschwelligen Toilette geplant“. Wir sind sehr gespannt, wann es nun endlich zu einer Realisierung kommt.

Im Rahmen der Vorplanungen zum Pilotprojekt „Flaniermeile“ hatte der Bürgerverein die Sinnhaftigkeit einer öffentlichen Toilette im Dorf thematisiert. Dies konnte jedoch nicht berücksichtigt werden, da die geplanten Einrichtungen nur temporär aufgebaut werden und somit eine dauerhafte Umsetzbarkeit verbieten.

Am 15. Februar dieses Jahres gaben BUKEA und Finanzbehörde bekannt, dass der Senat Investitionen bis zu 8,5 Millionen Euro für eine „Toilettenoffensive im öffentlichen Raum und in Grünanlagen“ beschlossen habe. Im Auftrag der BUKEA will die Stadtreinigung Hamburg (SRH) – seit 2017 zuständig für Bau, Unterhaltung und Betrieb öffentlicher Toiletten – in 2022 diverse Maßnahmen umsetzen. Andreas Dressel, Finanzsenator: „Mit unserer Sanierungsoffensive für Hamburgs öffentliche Toiletten sorgen wir nicht nur für ein verbessertes Stadtbild, die zahlreichen Maßnahmen sind auch ein echtes Plus für mehr Hygiene und Sauberkeit – in Pandemiezeiten eine enorm wichtige Investition für mehr Sicherheit in unserer Stadt. Deshalb nutzen wir dazu Corona-Ermächtigungen in unserem Haushalt. Hamburg verfügt schon jetzt über ein sehr ordentliches Netz an öffentlichen Toilettenanlagen, das wir aber jetzt Schritt für Schritt noch weiter ausbauen beziehungsweise modernisieren werden.“ (Weitere Informationen im Internet: www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/15881180/2022-02-15-bukea-toilettenoffensive-im-oeffentlichen-raum).

Der Bürgerverein wird sich weiter für die Errichtung einer öffentlichen Toilette im Zentrum von Volksdorf einsetzen. Die heutigen, sehr modernen und servicestarken Anlagen, passen sich auch optisch gut in das Straßenbild ein, lösen vor allem aber ein Problem, das für viele Mitbürger und Besucher unseres Stadtteils dringend ist.

 

 

 

 

 

 

 

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